Blick zurück
auf einen anstrengenden Januar 2003
Erklärung
des TheBe-Vorstands vom 25. Februar 2003
Was lief in den
letzten drei Jahren?
Seit Mai 2000 ist die TheBe in der sog. Globalisierungskritik
engagiert. Wir haben uns an Tagungen mit der Globalisierung
des neoliberalen Kapitalismus
und der Rolle des WEF auseinander gesetzt. Wir haben uns bewusst als Christinnen
und Christen in breite und bunte Vernetzungen begeben. Wir entwickelten Aktionsformen,
die auf einer ausdrücklich aktiv gewaltfreien Haltung basierten . Wir
organisierten dezentral drei Jahre lang Mahnwachen. 2001 brachen wir zu Strassentheater,
Skitour, Public Eye und Demonstration nach Davos auf. Mit unserem christlichen
Hintergrund wurden wir ein kleiner, aber beachteter Teil der
globalisierungskritischen Bewegung in der Schweiz. Wir gerieten alsbald in
die Dialog-Diskussion. Wir stellten fest: Dialogerfahrungen anderer Organisationen
waren entmutigend. Dialog wird vom WEF als Feigenblatt benutzt. Dialogverweigerung
an sich ist weder unsere Haltung noch unser Ziel. Weitere kirchliche Gruppen
und Werke stiegen in die Globalisierungsdiskussion ein.

Was lief 2003?
Für 2003 setzten wir neben den Mahnwachen, der Unterstützung des
attac-Kongresses und der Schuhaktion stark auf die bewilligte Demonstration
in Davos. Wir trugen nach etlichen Diskussionen die Plattform und den Demoaufruf
des Oltner Bündnisses mit. Wir machten Kompromisse bei Formulierungen.
Wir liessen uns dabei auf die Äste hinaus. Als unabhängige Organisation
kann die TheBe mehr wagen als andere. Unsere Haltung war stets klar: breit
abgestützt, vielfältig in den Aktionsformen und friedlich wollten
wir demonstrieren. Das schien möglich. Wechselseitiges Vertrauen war da.
Unsere Ziele haben wir im Oltner Bündnis eindeutig nicht erreicht. Wer
noch nicht von den vorausgehenden Diskussionen um die Schleusen in Fideris
abgeschreckt wurde, blieb entweder in Landquart stecken oder gehörte zur
kleinen Gruppe der verkehrt laufenden Demonstranten/-innen in Davos. Wir sind
enttäuscht über das, was am 25. Januar 2003 lief. Die Verantwortung
dafür liegt bei verschiedenen Akteuren. Einseitige Schuldzuschreibungen
stimmen nicht und helfen nicht weiter.

Die Polizei hielt sich in Davos deeskalierend
im Hintergrund, in Fideris brach die Einsatzleitung nach erfolgreicher Verhandlung über
die Kontrollen das Versprechen und erwies sich als nicht glaubwürdig,
in Landquart war der Polizeiaufmarsch mit deutschen Wasserwerfern provozierend.
Die Selbstorganisation des Oltner Bündnis war unzureichend. Nicht im
Bündnis
eingebundene Akteure/-innen tauchten auf. Die Ausschreitungen in Bern sind
nicht zu rechtfertigen. Jahrelang wurde eine bewilligte Demonstration gegen
das WEF und die von ihm forcierte Globalisierung des neoliberalen Kapitalismus
gefordert, in diesem Jahr kam der Protest gegen den drohenden Irak-Krieg
hinzu. Die heftig entbrannte Fideris-Diskussion über das Grundrecht
der Demonstrationsfreiheit war im Januar einer breiten Öffentlichkeit
nicht mehr vermittelbar. Plötzlich
ging es nicht mehr um kreativ-lustvolle Protestaktionen, sondern um Vorwürfe:
Polizeistaat einerseits, sture Chaoten andererseits. In den Medien verschwand
das Hauptanliegen: Eine unreflektierte Gewaltdiskussion dominierte einmal
mehr die öffentliche Berichterstattung.

Die Sicht der TheBe
Nach den vielen zustimmenden Reaktionen in den vorherigen Jahren gab es 2003
kritische Feedbacks. Wie kann die TheBe bloss im Oltner Bündnis mitmachen?
Wir denken, die TheBe hat über die Jahre einiges erreicht. Auch das
Oltner Bündnis hat Verdienste. Es hätte ohne das Oltner Bündnis
keine bewilligte Demonstration in Davos gegeben. Die Grundrechte-Debatte
muss erst noch geführt werden, damit überhaupt nachvollzogen
werden kann, dass die Rechte bei einer Demonstration nicht mit den Rechten
bei einem Fussball-Match vergleichbar sind.
Die AG Davos der TheBe wird dran bleiben. Die Haltung bleibt die gleiche.
Wir suchen Vernetzungen, mit denen wir unsere Ziele erreichen können. Das
Oltner Bündnis in der Form des letzten Jahres kann es nicht sein. Wir
werden Projekte suchen, die unseren (geringen) Kräften entsprechen. Gespräche
zwischen Bewegungen, NGOs, Parteien, Gewerkschaften werden wieder beginnen.
Interessierte bei der TheBe sind herzlich willkommen.

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