Statement
der TheBe zum WEF 2003
Die Theologische Bewegung für Solidarität und Befreiung
(TheBe) ist Mitglied des Oltner Bündnisses und unterstützt
dessen Aufruf zur Demonstration gegen das World Economic Forum
(WEF) vom 25. Januar 2003 in Davos. Die TheBe ruft zu einer breiten,
bunten, vielfältigen und gewaltfreien Demonstration auf
und wehrt sich gegen die Tendenz in der Öffentlichkeit,
die Demonstration gegen das WEF und seine Politik auf allfällige
gewalttätige Ausschreitungen zu reduzieren. Wir wollen keine
Konfrontation mit der Polizei, wir wollen keine zerstörerischen
Aktionen, weder in Davos noch sonstwo.
Mit der medial inszenierten «Gewaltfrage» rund
um die Demonstration werden die Anliegen und Forderungen der
DemonstrantInnen
verdrängt. Wir sind der Überzeugung, dass Gewalt primär
von der vom WEF forcierten neoliberalen Weltwirtschaftspolitik
ausgeht: Die Globalisierung von Liberalisierung, Deregulierung
und Privatisierung drängt immer mehr Menschen unter das
Existenzminimum und damit in einen täglichen Überlebenskampf.
Grossprojekte von transnationalen Konzernen vertreiben Tausende
von Menschen. Grossgrundbesitz verhindert eine menschenwürdige
Existenz unzähliger Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.
Und indem transnationale Konzerne die Herstellung ihrer Produkte
in Länder auslagern, wo keine Sozialstandards die Ausbeutung
der Arbeiter und v.a. Arbeiterinnen verhindern, gehen einerseits
im Norden Arbeitsplätze verloren, während es andererseits
im Süden immer mehr Menschen gibt, die unter prekärsten
Bedingungen arbeiten müssen.
Am WEF treffen sich die Chefs
der rund tausend grössten
Konzerne mit ranghohen Politikern, Medienvertretern, Kunstschaffenden
und Wissenschaftlern. Die zu weit über 90 Prozent männliche
Elite hat im letzten Jahrzehnt wesentlich zur praktisch weltweiten
Durchsetzung der neoliberalen Agenda beigetragen.
Die Machthaber
im kapitalistischen Wirtschaftssystem führen
Krieg – beispielsweise um sich den Zugang zu knappen Ressourcen
wie Öl zu sichern. Unter Slogans wie «Sicherheit» oder «Krieg
gegen Terrorismus» wird eine Sicherheitspolitik durchgesetzt,
die wir ablehnen: BürgerInnenrechte werden eingeschränkt,
soziale Budgets zugunsten von Militärausgaben gekürzt,
Militarisierung auf materieller wie ideologischer Ebene vorangetrieben
und Menschen an den Grenzen nach rassistischen und/oder wirtschaftlichen
Kriterien selektioniert.
Dieses unsinnige Sicherheitsverständnis
wird auch am WEF umgesetzt: Anstatt nach der Bewilligung der
Demonstration die
Deeskalation weiter zu führen, wird Davos von Polizei und
Armee verbunkert. Ohne polizeilich kontrolliert zu werden, soll
bereits eine Woche vor Beginn des WEF niemand mehr nach Davos
kommen. Wir weisen diese Kontrollen zurück, da sie nur allzu
leicht dazu missbraucht werden können, die DemonstrantInnen
in vermeintlich «gute» und «schlechte» einzuteilen
und beliebigen Personen willkürlich die Reise nach Davos
zu verbieten.
Wir demonstrieren gegen das WEF, da es nicht Sache
einer selbst ernannten und von wirtschaftlichen Interessen dominierten
Elite
ist, über die Zukunft der Welt zu entscheiden. Wir fordern
weltweite Gerechtigkeit und tatkräftige Solidarität
mit jenen, die vom herrschenden patriarchalen, kapitalistischen
System an den Rand gedrängt und ausgebeutet werden. – «Wir
haben den längeren Atem, wir brauchen die bessere Zukunft… Bei
uns hat schon mal einer Brot verteilt, das reichte für alle.» (Dorothee
Sölle)
TheBe, 12. Januar 2003
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