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Herbsttagung der Theologischen Bewegung für Solidarität
und Befreiung "Paradiesisch!" (Theologisch) Nachdenken
über den Finanzplatz Schweiz, Kirchgemeindehaus Johannes
Bern, Samstag, 6. November 2004
Eine Erfahrung, die jede/r kennt: Das Ausfüllen der Steuererklärung,
alle Jahre wieder, ist eine leidige Sache. Noch leidiger aber
die Steuern dann auch zu zahlen. Während sich viele durch
den Gedanken, dass der Staat mit diesem Geld ja seine Aufgaben
erfülle, zu diesen unangenehmen Tätigkeiten motivieren,
ziehen andere eine einfachere Lösung vor: Sie zahlen keine
Steuern. Etwa indem sie ihr Vermögen in ein Land überführen,
in dem es vor dem Zugriff der heimischen Behörden sicher
ist. Etwa in die Schweiz.
Die Schweiz verwaltet ungefähr einen Drittel aller grenzüberschreitenden
Privatvermögen – ca. 2000 Milliarden Schweizer Franken –
von denen zwischen 70 und 90 Prozent steuerflüchtig sind.
Die Folgen dieses ‚Schwarzfahrens' sind erheblich. Die Steuerlast
wird auf jene abgewälzt, die weniger mobil sind, Arbeitnehmer/innen
und Konsument/innen; der Wettbewerb um Investitionen multinationaler
Konzerne führt zum Steuerdumping; den Staaten fehlen die
Mittel, um ihre Pflichten zu erfüllen. Letzteres betrifft
insbesondere die Entwicklungsländer. Ihnen entgehen durch
Steuerflucht jährlich 50 Milliarden US-Dollar – gleich viel,
wie die gesamte öffentliche Entwicklungshilfe. Im Falle der
Schweiz ist das Verhältnis noch weit skandalöser: Die
Erträge aus der Verwaltung steuerflüchtiger Gelder übertreffen
die jährliche Entwicklungshilfe um das Fünffache.
Bereits diese kurzen Andeutungen zeigen: Es ist dringend nötig,
über die Zusammenhänge von Steuerflucht, Bankgeheimnis,
Offshore-Banking etc. und Entwicklungspolitik nachzudenken, gerade
auch im Bezug auf die Schweiz, die u. a. durch die weltweit einzigartige
Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung immer
wieder Beihilfe zur Steuerflucht leistet. An unserer diesjährigen
Herbsttagung klinken wir uns mit einem kritischen und auch durchaus
theologischen Blick in diese finanz- und entwicklungspolitischen
Zusammenhänge ein . Unter Beteiligung der ‚Aktion Finanzplatz
Schweiz' und des lateinamerikanischen Theologen Ángel Eduardo
Román López wollen wir uns dem komplexen Problem
annähern und uns auch kundig machen, welche Handlungsmöglichkeiten
bestehen und bereits verfolgt werden, um ihm beizukommen.
Wir würden uns freuen, Euch am 6. November in Bern begrüssen
zu dürfen! |
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