Herbsttagung der Theologischen Bewegung für Solidarität
und Befreiung "Es muss doch mehr als alles geben..."
Perspektiven Politischer Theologie, Romerohaus Luzern, Samstag,
22. November 2003
«Es muss doch mehr als alles geben...»
(D. Sölle) – unter diesem Motto wollen wir uns im Rahmen
der diesjährigen Herbsttagung der Theologischen Bewegung
für Solidarität und Befreiung (TheBe) noch einmal grundsätzlich
auf dem weiten Feld von Theologie und politischer Praxis orientieren.
Wenn unsere Arbeit in den letzten Jahren vor allem durch aktives
Engagement geprägt war – in erster Linie im Widerstand gegen
die neoliberale Wirtschaftsordnung, wie sie hierzulande durch
das WEF repräsentiert wird –, so ist es jetzt Zeit für
eine Denkpause. Gerade in den hektischen Tagen rund um Davos war
es manchmal schwierig, das spezifische Profil der TheBe klar zu
markieren. Das Bedürfnis, vom unmittelbaren Geschehen einen
Schritt zurückzutreten, wurde in der Jahresversammlung ebenso
deutlich, wie die Absicht, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen.
Die Tagung soll beidem entgegenkommen. Wir wollen uns in zwei
Ansätze eindenken, um dadurch unsere eigene Position und
die Perspektiven unserer Arbeit neu und vielleicht klarer zu sehen.
Zum einen fragen wir im Gedenken an Dorothee
Sölle (1929-2003), was ihre stark rezipierte Verbindung von
Theologie und Politik, von Mystik und Widerstand auszeichnet.
Woher bezog sie die Kraft für ihre «Mutanfälle»
(Sölle)? Wie äusserte sich ihre widerständige und
sprachsensible Theopraxis konkret? Die feministischeTheologin
und Sölle-Kennerin Regula Grünenfelder hilft uns bei
der Rekonstruktion dieses Entwurfs. Ein besonderer Akzent wird
auf der Friedensthematik liegen. Zum anderen bietet uns der Berner
Ethiker Wolfgang Lienemann einen Einblick in sein Projekt «Kirche
und Öffentlichkeit in Transformationsgesellschaften».
Zwischen 1970 und 1990 haben eine Reihe von Staaten, z. B. Südafrika,
einen Übergang von einem autoritär-diktatorischen zu
einem demokratischen politischen System vollzogen. Damit stellt
sich auch die Frage nach dem Ort von Theologie und Kirche in den
entsprechenden Ländern in neuer Weise. Die Bedingungen, welche
etwa auch den Kontext für die Aufbrüche der Theologie
der Befreiung darstellten, gehören – teilweise – der Vergangenheit
an. Lienemanns Überlegungen zu dieser neuen, diffuser gewordenen
Lage werden in einen Ausblick auf eine kommende Friedensethik
münden.
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